Wie das Leben so schreibt – ein Einblick.
Ich sitze hier an meinem Bürotisch in meinem Raum und fühle Dankbarkeit – einmal mehr. Dankbarkeit für mein Erkennen. Vor zweieinhalb Monaten sass ich an meinem Bürotisch im Wohnzimmer und war gerade mal sehr gefordert und zum Teil auch überfordert.
Unsere Tochter, 17 ½ Jahre, Schülerin einer Heilpädagogischen Schule hatte gerade ihren Schnupper- und dann später Praktikumsplatz an einer betreuten Arbeitsstelle verloren. Ich verstand die äussere Welt nicht mehr – die Gründe keine Motivation, spezielles verhalten… Aber es ist eine betreute Arbeitsstelle. Mein Verstand war zeitweise am Rotieren. Wieso passiert das? Und dann immer wieder meine Überzeugung alles ist in Ordnung wie es ist. Und dann wieder die Ungewissheit, was kommt jetzt? Am 3. Juli ist ihre Schulzeit beendet, sie braucht einen Platz. Leider gibt es in diesem Arbeitsumfeld im Kanton Schwyz nicht viele andere Möglichkeiten. Gespräche an der Schule zeigten keine wirklichen Perspektiven. Und Rückmeldungen von aussen, «das kann doch nicht sein, dass eine Jugendlich in einem betreuten Arbeitsumfeld keinen Platz findet …» Ich verstand die äussere Welt nicht mehr, klar und deutlich war einfach, es ist nicht ihr Arbeitsort. Und dann immer wieder in mir, vertraue, es gibt eine Lösung. Gehe mit dem, was ist. So sind wir damit gegangen.
Im Mai dann eine Schnupperwoche in der Stiftung Bühl in Wädenswil, wohnen auswärts, wieder die Rückmeldung, nicht sichtbare Motivation für den Beruf. Ein Angebot, um nochmals zu schnuppern, zwei Wochen Schule/Berufsfindungsjahr und im Berufsfeld.
Und nun Anfang Juli – der Vertrag, sie darf in der Stiftung Bühl ins Gleis 2 eintreten – ein/zwei Jahre Schule und Berufsfindung und dort wohnen. Das, was sie gerne wollte. Sie möchte Berufe kennenlernen, sie ist neugierig, was es alles so gibt. Die erste Berufsfindung war so quasi, wir haben diese Plätze und die müssen besetzt werden – nicht, was würde dir gefallen (kein Vorwurf an die Zuständigen – unser System…).
Unsere Tochter war so unter Druck, die letzten zwei Jahre, etwas haben zu müssen – so wie viele andere Jugendliche auch, die noch in der Berufsfindung sind – sie hatte verlernt auf sich zu hören. Nach den zwei Wochen schnuppern in Wädenswil kam die Aussage, ich habe nur gesagt, dass ich in der Hauswirtschaft arbeiten will, damit ich Ruhe habe. Tja, sie hat uns und sich gezeigt, dass dieser Kompromiss nicht hält. So kommen die Gründe für eine Kündigung doch noch zum Vorschein. Und wer weiss, vielleicht geht ihr grosser Traum, eine Lehre im ersten Arbeitsmarkt, wie ihre Geschwister doch noch in Erfüllung, einfach eher später als früher, aber alles zu seiner Zeit.
Mein ganzes Wissen, Sein, meine Entwicklung in den letzten 25 Jahren, haben mir geholfen, in dieser herausfordernden Zeit immer wieder zu vertrauen, ihr ihr Leben zu übergeben, selbst nicht im Drama zu versinken, auf verschiedenen Stufen wieder loszulassen und innerlich daran zu wachsen. Ich habe in dieser Zeit meine Lebensfreude wieder kennengelernt und dem Universum noch mehr zu vertrauen.
Danke für die wertvollen Erkenntnisse und es geht noch weiter … Unser aller Leben ist auf diesem Planeten ja noch nicht abgeschlossen.

